Hintergrund
Statistische Kultur ist ein Schlagwort, mit dem sich heutzutage immer mehr Menschen auseinandersetzen (müssen). Die Notwendigkeit dazu hängt eng mit Menge und Geschwindigkeit der Verbreitung statistischer Nachrichten zusammen. Mit der rasanten Entwicklung der Computer und dem Angebot immens leistungsfähiger Software sowie der immer leichteren Verfügbarkeit von Daten bereitet es dem interessierten Anwender mittlerweile keine Schwierigkeiten mehr, statistische Fragestellungen in Eigenregie zu bearbeiten und auf Knopfdruck beantworten zu lassen. Trotz zunehmender Vereinfachung ist jedoch die Notwendigkeit, die Theorie hinter den oft komplizierten Modellen zu verstehen, nicht einfach verschwunden.
Bei der Menge an statistischen Nachrichten, mit denen man mittlerweile tagtäglich überhäuft wird, sind zwangsläufig auch schlecht recherchierte, holprige oder schlichtweg falsche dabei. Und die Anzahl dieser Nachrichten, jeglicher Qualität, wird ständig größer. Sprach man bereits in den 60er Jahren von einem "Umbruch" bezüglich der Verwendung der Statistik, so ist dieser Umbruch bis heute im Gange, sodass man wohl eher von einem Aufwärtstrend sprechen muss.
Wie soll in diesem Zusammenhang die statistische Kultur gewahrt und gefördert werden bzw. was ist unter diesem Begriff überhaupt zu verstehen?
Wenn man von statistischer Kultur spricht, müssen zwei Seiten unterschieden werden, die Anbieter- und die Nachfragerseite.
Die Anbieterseite erstreckt sich über so gut wie alle Wissenschaftsbereiche, in jedem Fachbereich warten Zahlen und Daten auf ihre Verwertung und statistische Aufbereitung. Daneben hat die Statistik längst in den Massenmedien Einzug gehalten. Ob das Wachstum der Inflationsrate erfreulicherweise schon wieder sinkt oder die Bevölkerung vom dritten Jahrhunderthochwasser innerhalb von drei Jahren geplagt wird, Zeitungen und Zeitschriften überhäufen ihre Leser buchstäblich mit allen möglichen statistischen Meldungen.
Auf Nachfragerseite gibt es einerseits den interessierten Anwender, der sich mit diversen Fachberichten auseinandersetzen und diese verstehen muss. Andererseits wird die Masse der Informationsempfänger mit den verschiedensten Neuigkeiten berieselt.
Die Forderung nach statistischer Kultur setzt sowohl auf Anbieter- als auch auf Nachfragerseite ein. Grundsätzlich sollte jeder Bericht, der Statistiken enthält, gewisse Qualitätskriterien erfüllen. Dieses hehre Ziel der Qualitätssicherung in Statistiken wird aber nur ein Wunschtraum bleiben, solange zur Veröffentlichung von Statistiken keine Konzession mit Fachqualifikation benötigt wird.
Aus diesem Grund setzt die Forderung nach statistischer Kultur im selben Maße auf Nachfragerseite ein. Die Konsumenten statistischer Ausführungen, und in gewissem Maße umfasst dies die gesamte Bevölkerung, sollen lernen, auch Zahlen nicht einfach immer als richtig hinzunehmen, sondern die Aussagen kritisch zu hinterfragen und sich eigene Urteile über die Qualität von Berichten bilden zu können. Aus diesem Ruf nach statistischer Kultur heraus entstand die Idee, dass Grundbegriffe der Statistik bereits Kindern nähergebracht werden sollten und die Überlegung, ob es sinnvoll sei, bereits in der Volksschule mit der Ausbildung zu beginnen. In diesem Zusammenhang gab der Blick in die USA einen entscheidenden Anstoß. Dort werden statistische Inhalte bereits ab der 1.Klasse der Grundschule, selbstverständlich auf dem entsprechenden Erkenntnis- und Verständnisniveau mit großem Erfolg vermittelt. Daraus entstand der Wunsch, auch österreichischen Volksschülern die Möglichkeit zu bieten, mit den Grundbegriffen der Statistik altersadäquat erste Kontakte zu knüpfen
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