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Statistische Lehrmaterialien für die Volksschule

Einleitung

 

Willkommen bei der Sammlung "Statistische Lehrmaterialien für die Volksschule". Im folgenden soll hier ganz kurz erläutert werden, welche Ziele mit dieser Materialiensammlung verfolgt werden und wie der allgemeine Ablauf eines Bausteins aussehen soll.

 

Die Materialiensammlung "Statistische Lehrmaterialien für die Volksschule" enthält ausgearbeitete Bausteine zur Vermittlung statistischer Inhalte, wobei folgende Gesichtspunkte zentrale Bedeutung haben.

  • fächerübergreifend: Die Bausteine sind nicht für einen eigenen "Statistikunterricht" gedacht, sondern zum Einsatz im Rahmen unterschiedlichster alltäglicher Themenkreise. Es soll gezeigt werden, daß die Verwendung statistischer Denk- und Arbeitsweisen in allen Bereichen gewinnbringend eingesetzt werden kann.
  • handlungsorientiert: Die Bausteine sind so ausgelegt, daß die Kinder stets selbst Hand anlegen können bzw. müssen und so anhand eigener Erfahrungen Erkenntnisse gewinnen. Dieser Freiraum ist zwar jeweils mit einer gewissen Unsicherheit verbunden, ermöglicht es aber auch, individuell auf die Kenntnisse und Leistungen der Kinder einzugehen.
  • modular: Jeder Baustein steht grundsätzlich für sich allein, kann also unabhängig von allen anderen Bausteinen durchgeführt werden. Am Ende der Materialiensammlung wird aber ein Konzept präsentiert, wie eine mögliche Reihung der Bausteine im Laufe des Volksschulunterrichts aussehen könnte.

Der Aufbau der Bausteine besteht jeweils aus drei Teilen, einem Stichwortzettel, der genauen Beschreibung und dazu gehörigen Materialien.

 

Der Stichwortzettel gibt einen gegliederten Überblick über den Ablauf des Bausteines und kann auch als Hilfe während der Durchführung dienen.

 

Die Beschreibung ist selbst wiederum in drei Abschnitte gegliedert. Der Rahmen gibt ein mögliches Umfeld (Projekt, Thema o.ä) an, in dem der Baustein eingesetzt werden kann. Im Abschnitt Durchführung wird der Ablauf des Bausteines von der Einleitung bis zur Analyse der Ergebnisse ausführlich beschrieben. Schließlich bietet der Abschnitt Ideen für Erweiterungen verschiedene Anregungen, die Bausteine auszubauen, zu erweitern, zu verändern oder nochmals durchzuführen.

 

Im Anhang befinden sich nützliche Materialien, wie z.B. Kopiervorlagen von Übersichtsblättern oder Musterlösungen, die die Verwendung der Bausteine erleichtern sollen. Außerdem werden die weiteren benötigten Materialien, die nicht enthalten sind, beschrieben und Vorschläge zu deren Beschaffung gemacht.

  

Hintergrund

Statistische Kultur ist ein Schlagwort, mit dem sich heutzutage immer mehr Menschen auseinandersetzen (müssen). Die Notwendigkeit dazu hängt eng mit Menge und Geschwindigkeit der Verbreitung statistischer Nachrichten zusammen. Mit der rasanten Entwicklung der Computer und dem Angebot immens leistungsfähiger Software sowie der immer leichteren Verfügbarkeit von Daten bereitet es dem interessierten Anwender mittlerweile keine Schwierigkeiten mehr, statistische Fragestellungen in Eigenregie zu bearbeiten und auf Knopfdruck beantworten zu lassen. Trotz zunehmender Vereinfachung ist jedoch die Notwendigkeit, die Theorie hinter den oft komplizierten Modellen zu verstehen, nicht einfach verschwunden.

 

Bei der Menge an statistischen Nachrichten, mit denen man mittlerweile tagtäglich überhäuft wird, sind zwangsläufig auch schlecht recherchierte, holprige oder schlichtweg falsche dabei. Und die Anzahl dieser Nachrichten, jeglicher Qualität, wird ständig größer. Sprach man bereits in den 60er Jahren von einem "Umbruch" bezüglich der Verwendung der Statistik, so ist dieser Umbruch bis heute im Gange, sodass man wohl eher von einem Aufwärtstrend sprechen muss.

 

Wie soll in diesem Zusammenhang die statistische Kultur gewahrt und gefördert werden bzw. was ist unter diesem Begriff überhaupt zu verstehen?

Wenn man von statistischer Kultur spricht, müssen zwei Seiten unterschieden werden, die Anbieter- und die Nachfragerseite.

 

Die Anbieterseite erstreckt sich über so gut wie alle Wissenschaftsbereiche, in jedem Fachbereich warten Zahlen und Daten auf ihre Verwertung und statistische Aufbereitung. Daneben hat die Statistik längst in den Massenmedien Einzug gehalten. Ob das Wachstum der Inflationsrate erfreulicherweise schon wieder sinkt oder die Bevölkerung vom dritten Jahrhunderthochwasser innerhalb von drei Jahren geplagt wird, Zeitungen und Zeitschriften überhäufen ihre Leser buchstäblich mit allen möglichen statistischen Meldungen.

 

Auf Nachfragerseite gibt es einerseits den interessierten Anwender, der sich mit diversen Fachberichten auseinandersetzen und diese verstehen muss. Andererseits wird die Masse der Informationsempfänger mit den verschiedensten Neuigkeiten berieselt.

 

Die Forderung nach statistischer Kultur setzt sowohl auf Anbieter- als auch auf Nachfragerseite ein. Grundsätzlich sollte jeder Bericht, der Statistiken enthält, gewisse Qualitätskriterien erfüllen. Dieses hehre Ziel der Qualitätssicherung in Statistiken wird aber nur ein Wunschtraum bleiben, solange zur Veröffentlichung von Statistiken keine Konzession mit Fachqualifikation benötigt wird.

 

Aus diesem Grund setzt die Forderung nach statistischer Kultur im selben Maße auf Nachfragerseite ein. Die Konsumenten statistischer Ausführungen, und in gewissem Maße umfasst dies die gesamte Bevölkerung, sollen lernen, auch Zahlen nicht einfach immer als richtig hinzunehmen, sondern die Aussagen kritisch zu hinterfragen und sich eigene Urteile über die Qualität von Berichten bilden zu können. Aus diesem Ruf nach statistischer Kultur heraus entstand die Idee, dass Grundbegriffe der Statistik bereits Kindern nähergebracht werden sollten und die Überlegung, ob es sinnvoll sei, bereits in der Volksschule mit der Ausbildung zu beginnen. In diesem Zusammenhang gab der Blick in die USA einen entscheidenden Anstoß. Dort werden statistische Inhalte bereits ab der 1.Klasse der Grundschule, selbstverständlich auf dem entsprechenden Erkenntnis- und Verständnisniveau mit großem Erfolg vermittelt. Daraus entstand der Wunsch, auch österreichischen Volksschülern die Möglichkeit zu bieten, mit den Grundbegriffen der Statistik altersadäquat erste Kontakte zu knüpfen

  

Ideen

Die Lehrmaterialien "Statistik für die Volksschule" enthalten fünfzehn ausgearbeitete Beispiele für die handlungsorientierte Vermittlung statistischer Inhalte für Schüler im Alter von 6-10 Jahren.

 

Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass sich die Schüler mit Erlebnissen aus dem täglichen Leben auseinandersetzen. Der gesamte Prozess angewandter statistischer Arbeitsabläufe (Problemstellung, Erhebung der Daten, Darstellung und Auswertung, Diskussion der Ergebnisse) soll von den Kindern in spielerischer Form selbst miterlebt und mitgestaltet werden.

Den Lehrern werden konkrete Handlungsanleitungen für Vorbereitung und Durchführung, sowie Vorschläge für Variations- und Erweiterungsmöglichkeiten geboten. Außerdem beinhalten die Beispiele eine Reihe von Hilfsmaterialien wie Kopiervorlagen, Lösungsvorlagen und Bastelanleitungen.

  

Ziele

Die Materialiensammlung Statistische Lehrmaterialien für die Volksschule soll den Lehrerinnen und Lehrern einige Anregungen und vor allem detailliert ausgearbeitete Beispiele geben, um eine integrierte Vermittlung statistischer Inhalte bereits ab der Volksschule zu ermöglichen.

 

Dabei ist auch in fernerer Zukunft kein eigener "Statistikunterricht" angestrebt, vielmehr soll gezeigt werden, dass statistische Inhalte und Themen in sehr vielen verschiedenen Bereichen auch des täglichen Lebens eine wichtige Rolle spielen und eine möglichst frühe Vertrautheit mit den Grundtechniken statistischer Arbeitsabläufe von Vorteil ist.